Wanderung auf dem Menzenschwander Geißenpfad

Einem alten Nutztier auf der Spur

Wanderung auf dem Menzenschwander Geißenpfad Wanderung auf dem Menzenschwander Geißenpfad

Nach der Besiedlung des Schwarzwalds bildeten Holz- und Viehwirtschaft jahrhundertelang die Wirtschafts- und Lebensgrundlage. Dazu brauchte es robuste Tiere, die auch karge Zeiten überstanden. Neben den Hinterwälder Rindern zählten dazu die Geißen, also Ziegen. Ihnen wurde in der Gemeinde Sankt Blasien der Menzenschwander Geißenpfad gewidmet.

Die Geißen als Nutztiere im Schwarzwald

Ziegenherden sind seit jeher Bestandteil der Landschaft im Schwarzwald. Durch mittelalterliche Erzählungen und traditionelle Festzüge sind bis dato die Ziegengespanne bekannt. Trotzdem verschwanden die Ziegen beziehungsweise Geißen im 20. Jahrhundert vielerorts. Denn in der industrialisierten Landwirtschaft kommt man gut ohne die zierlichen Hungerkünstler aus. Mit wachsendem Bewusstsein für ein intaktes, attraktives Landschaftsbild erleben die Ziegen heute eine Art Renaissance. Denn die genügsamen und geschickten Tiere sind wie dafür geschaffen, empfindliche und nährstoffarme Lebensräume an den Berghängen offen zu halten. In Menzenschwand ist ihnen deshalb der Menzenschwander Geißenpfad gewidmet. Die als Genießerpfad gekennzeichnte Wanderung bietet herrliche Aussichten über das Menzenschwander Tal, begleitet vom Geklimper der Ziegenglocken.

Start beim Mösleparkplatz

Direkt beim Mösleparkplatz informiert eine Schautafel über die Besonderheiten des Geißenpfads. Die Orientierung fällt leicht: immer den Schildern und Symbolen des Genießerpfads nach. Somit geht es zunächst auf der Fahrstraße bis zum Hinterdorf von Menzenschwand.

Sobald wir mehrere alte Höfe passiert haben, biegen wir links in den Schwarzenbergweg ab. Gut 300 Meter weiter geht die Straße in einen Pfad über und werden wir womöglich von der ersten Geißenherde begrüßt. Die Tiere sind Menschen gewohnt und bisweilen sehr neugierig.

Spuren der Vergangenheit

Zwischen den Weiden steigt der Pfad entlang des Schwarzenbergs zum Gewann ((1)) Im Gschweih an. Der Hang bildet die Ostflanke des Albtales und wird landschaftlich durch Weidfelder bestimmt. Das Mosaik von flachgründigen, felsigen Bereichen und tiefergründigen Zwergstrauchheiden bietet vielen seltenen Arten einen geeigneten Lebensraum.

Nachdem im Frühjahr die Hunds-Veilchen die ersten warmen Tage begrüßen, können wir uns im Sommer über Silberdisteln, die auch als »Bergwohlverleih« bekannte Arnika und Heidelbeeren freuen. Zugleich lohnt sich der Blick zurück, wo wir immer neue Eindrücke von den malerisch zwischen den Bergen eingebetteten Tälern der Alb und des Krunkelbachs gewinnen.

Reaktivierung der Menzenschwander Kluse

Vom höchsten Punkt der Wanderung folgen wir dem Geißenpfad zur »Flößers Rast«. Auf dem Weg dorthin passieren wir die Endmoräne des letzten Gletschervorstoßes vor der Warmzeit. Die Ablagerung der durch den Gletscher zuvor abgeschliffenen Steine versperrten der Alb den Weg ins Tal. Da sie die Endmoräne nur auf wenigen Metern Breite durchbrochen hat, eignete sich die Stelle bestens für die Holzflößerei. 1779 ließ das Kloster St. Blasien eine Kluse bauen.

Ziel war es damals, das Brennholz durch schwallweises Öffnen des Wehrs zum Eisenwerk in Albbruck zu flößen. Der aufgestaute Klusensee machte diesen Vorgang weitgehend unabhängig von Schmelz- und Regenwasser. Nach Einstellung der Flößerei entstanden wertvolle Biotope am Menzenschwander Klusensee. Um ihren Fortbestand zu sichern, wurde die Klusenmauer 2010 saniert und eine Pendelrampe eingebaut, welche die Durchgängigkeit der Menzenschwander Alb gewährleistet.

Aussicht zum Titlis und Sustenhorn der Urner Alpen

Einen Steinwurf von der Endmoräne entfernt weist ein Schild auf etwas hin, was man sonst sicherlich übersehen hätte: Nur wenige Meter neben dem Pfad reicht der ((2)) Blick bis zum Titlis und, links davon, zum Sustenhorn, zwei der bekanntesten Berge der Urner Alpen. Um die beiden Gipfel deutlich zu erkennen, muss man allerdings Glück mit dem Wetter haben. So konnten wir am Horizont nur etwas Schemenhaftes erkennen.

Umso besser zu sehen ist anschließend die »Flößers Rast«. Sie befindet sich im Gewann »In der Klause« und erinnert ebenfalls an die Zeit der Flößerei. Anschließend geht es weiter im Bereich einer Seitenmoräne in den Wald. Am Scheitelpunkt des Wegs verdient eine aus grob behauenen Steinen zusammengesetzte Mauer unsere Aufmerksamkeit. Es handelt sich um eine ((3)) historische Laderampe, welche das Beladen der Fuhrwerke mit Holzstämmen erleichterte.

Abstieg durch die Albschlucht

Nachdem wir die Menzenschwander Alb überquert haben, kommen wir zum ((4)) Wegweiser Klusenwald. Von dort geht es talwärts an der ((5)) Kluse vorbei. Danach halten wir uns zweimal rechts und folgen der Beschilderung – wieder ein Stück bergan – zur ((6)) Schesslong dü Boah. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, sollte den Abstecher unbedingt machen. Ihn erwartet eine urige Sitzmöglichkeit. Nach dem Abstecher zum Waldliegestuhl geht es auf demselben Pfad zurück zum letzten Wegweiser und von dort hinab zur ((7)) Albschlucht. Der Abstieg durch die enge Schlucht ist mit Treppen und Geländern gut gesichert, die Wasserfälle zählen zu den schönsten im Hochschwarzwald.

Unterhalb der Schlucht passieren wir erst den ((8)) Albhof Wasserfall, dann einen Wanderparkplatz und den ((9)) Ziegenhof. Der letzte Abschnitt der Wanderung führt damit ein Stück weit in das Krunkelbachtal. Von besonderem Interesse sind hier die Uranvorkommen. Nach dem Studium der Infotafeln bei der ((10)) Barbaraquelle überqueren wir den Krunkelbach. Auf der anderen Talseite trennen uns noch zwei Kilometer vom ((E)) Mösleparkplatz, wo wir auf eine abwechslungsreiche Runde zurückblicken können.

RadonRevitalbad in Menzenschwand

Probebohrungen bis 240 Meter Tiefe führten zu der Annahme, dass sich im Krunkelbachtal die größte Lagerstätte von Uranerz in Europa befindet. Aus Umweltschutzgründen, wegen heftiger Proteste seitens der Bevölkerung und der fehlenden Rentabilität wurde die Förderung 1989 gestoppt und die Stollen geflutet. Das beim Zerfall von Uran entstehende Radon wurde einige Zeit im heutigen Revitalbad in Menzenschwand therapeutisch eingesetzt. Inzwischen ist der Gehalt des Radons jedoch zu gering für eine wirksame Behandlung.

Ausgangspunkt und Anfahrt

Dein Ausgangspunkt für diese Wanderung ist der Mösleparkplatz von Menzenschwand-Hinterdorf.

Anfahrt mit Pkw: Von der B 500 Waldshut-Titisee in Häusern nach Bernau abbiegen. Weiter über die L 149 bis Abzweig Menzenschwand, dort über Hinterdorf bis zum Mösleparkplatz.

Anfahrt mit Bus und Bahn: Es bestehen Busverbindungen von Seebrugg und St. Blasien zur Haltestelle Menzenschwand-Hinterdorf.

Wanderkarte mit Höhenprofil


Höhenprofil

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