Häuser an der Kinzig bei Schenkenzell

Von Schenkenzell zum Kloster Wittichen

Wanderung ins Tal der Kleinen Kinzig und über den Teisenkopf zur Ruine Schenkenburg

Schenkenzell ist die kleinste eigenständige Gemeinde im Schwarzwald. Gemessen an den Wanderwegen aber zählt der Luftkurort an der Kinzig zu den ganz Großen. Denn hier treffen der Flößerpfad und Pilgerweg Rottenburg-Thann aufeinander. Auch der Schwarzwald-Ostweg ist nicht fern. Wir hingegen folgen zunächst dem Kleinen Hansjakobweg.

Wanderung im Tal der Kleinen Kinzig

Der Ausgangspunkt zu dieser Wanderung befindet sich in der Ortsmitte von Schenkenzell, nahe der Parkplätze an der Bahnhofsstraße und an der Kinzig. Auch zum Bahnhaltepunkt ist es nicht weit. Das erste Ziel des Tages, das (2) Kloster Wittichen ist in Schenkenzell bereits ausgeschildert.

Der Weg dorthin verläuft die ersten 300 Meter auf der Reinerzaustraße und damit rechts der Kleinen Kinzig, dann – nachdem wir beim Jesuskreuz abgebogen sind – links des Bachs. Auf dem Kinzigtäler Jakobusweg verlassen wir bald das malerische Schenkenzell. Dieser flache Abschnitt eignet sich bestens, um sich für die späteren Anstiege warmzulaufen.

Kurz vor Eselgrund geht es über eine gedeckte Holzbrücke nochmals kurz auf die Reinerzaustraße, bevor wir wenige Schritte weiter erneut die Seite der Kleinen Kinzig wechseln und den Wegweiser »Eselbach« erreichen. Wer nur eine kurze Runde laufen will, kann hier zum Teisenkopf oder nach Schiltach abbiegen. Wir aber bleiben auf dem Kinzigtäler Jakobusweg.

Somit passieren wir als Nächstes ein Sägewerk und wandern dann parallel zur Kleinen Kinzig bis Vortal. Auf dem Weg passieren wir die ehemalige Farbmühle, in der ab dem 17. Jahrhundert Speiskobald verarbeitet wurde. Die Flößer nahmen den Schwarzwälder Kobalt dann mit nach Holland, wo er als Grundlage der Porzellanfarbe »Delfter Blau« diente.

Kloster Wittichen

Nachdem wir das Gallenbächle überquert haben, biegen wir in (2) Vortal links zum Kloster Wittichen ab. Damit kehren wir der Kleinen Kinzig (auch Reinerzauer Bach) den Rücken und wandern dem Klosterbach auf der wenig befahrenen Straße entgegen. Nach 450 Metern wechseln wir halbrechts auf einen deutlich ansteigenden Pfad. Alternativ kann man auch auf der Straße bleiben und den Anstieg auslassen, dann verpasst man aber einen hübschen Ausblick auf das Kloster Wittichen. Wo sich der Pfad gabelt, geht es dann links hinunter zum (3) Kloster Wittichen.

Abstecher zum Teisenkopf

Mit der Besichtigung der erhaltenen Klosterkirche kann man sich ruhig Zeit lassen, um neue Kräfte zu sammeln. Denn hier wechseln wir vom Hansjakobweg auf deutlich steilere Pfade: Mit der gelben Raute geht es zunächst auf dem geologischen Lehrpfad entlang des Klosterbachs. Nach 550 Metern überqueren wir den Bach und folgen dann der gelben Raute weiter durch den Wald. Durch mehrere abzweigende Holzwege ist der Wanderweg nicht immer eindeutig zu erkennen.

Im Zweifelsfall bleibt man grob geradeaus, sodass man auf dem am besten befestigten Pfad bleibt. Nach 1100 Metern wird das Gelände flacher. Wenige Schritte weiter mündet der Pfad dann in eine Forststraße. Nachdem wir auf dieser das (4) Wanderheim »Zum Waldhäusle« passiert haben, folgen wir dem Nebenwanderweg über idyllische Waldpfade zum (5) Mattenweiher. Bei dem zwischen 1980 und 1984 angelegten Weiher biegen wir rechts auf den Mittelweg ab.

Auf dem nächsten Kilometer machen wir gut 120 Höhenmeter. Zugegeben, vor allem die letzten 500 Meter gehen kräftig in die Beine. Umso schöner ist dafür die Aussicht, die sich uns vom überdachten (6) Aussichtsturm auf dem Teisenkopf über die Hügel rund um das Kinzigtal bietet. Der großzügig angelegte Rastplatz kommt wie gerufen. Wieder bei Atem, geht es danach auf demselben Weg zurück zum Mattenweiher.

Fachwerkidyll und Schenkenburg

Der Abstieg nach Schiltach ist einfach: Immer der Markierung des Mittelwegs (rote Raute mit weißen Strich) nach. Beim Johannesharderhof biegen wir also rechts ab, steigen durch den Wald hinunter zum Kuhbach und folgen diesem bis zum Wegweiser (7) Vor Kuhbach. Hier lohnt sich ein Abstecher in die Altstadt von Schiltach. Der historische Ortskern ist wegen seiner vielen gut erhaltenen Fachwerkhäuser ein beliebtes Ausflugsziel im Kinzigtal.

Anschließend geht es von Vor Kuhbach mit der blauen Raute durch das Kinzigtal zur (8) Ruine Schenkenburg. Die Ministerialburg wurde zwischen 1220 und 1250 errichtet und gehörte ab dem Jahr 1301 zum Besitz der Geroldsecker. 1534 wurde sie auf Befehl von Graf Wilhelm von Fürstenberg gestürmt und zerstört. Von der Burg sind noch Teile des Bergfrieds und vom Palas erhalten. Nach dem Rundgang durch die Burgruine geht es mit der blauen Raute bzw. auf dem Flößerpfad zurück nach Schenkenzell, wo diese aussichts- und abwechslungsreiche Wanderung endet.

Geschichte des Klosters Wittichen

Die Gründung des Klosters geht auf die mittellose, aber hilfsbereite Nonne Luitgard zurück. Als junges Mädchen war sie in Vortal für ihren christlichen Lebenswandel bekannt. So schaffte sie es, allein durch mitleiderregendes Flehen einen Gefangenen aus dem Schloss Wittgenstein zu befreien. Mit zwölf trat sie in das Kloster von Oberwolfach-Rankach ein und stieg bald zur Oberin auf. Dort vernahm sie eine Stimme, die ihr gebot, mit ihren 34 Mitschwestern ein eigenes Kloster nahe Vortal zu gründen.

Allein an den Mitteln fehlte es. Zudem waren die Wälder bei Wittichen abgeholzt, sodass die wenigen Helfer nur das Bauholz für ein ärmliches Klösterlein zusammenbrachten. In ihrer Not betete Luitgard zu Gott, er möge ihr gerade mal begonnenes Werk segnen. Wie durch ein Wunder soll danach geeignetes Bauholz so schnell gewachsen sein, dass man das Kloster Wittichen bauen konnte. Der erste, 1325 errichtete Klosterbau brannte 1327 nieder. Nur zwei Jahre später gelang es Luitgard, ihr Kloster größer und stattlicher wieder aufzubauen.

Planung & Anreise


Dein Ausgangspunkt für diese Wanderung ist die Ortsmitte von Schenkenzell.

Anfahrt mit Pkw: Von der B 462 Rottweil – Hausach bei Schiltach auf die B 294 Richtung Alpirsbach abbiegen, dann weiter bis zur Ortsmitte von Schenkenzell fahren.

GPS-Koordinaten 48.3103, 8.3725

⇒ Anreise mit Google Maps planen


Ja, es bestehen einige Bus- und Bahnverbindungen ab Offenburg, Freudenstadt, Alpirsbach und Bad Griesbach zur Haltestelle Schenkenzell Bahnhof.


Du kannst Dich auf eine mittelschwere Wanderung über meist bequeme Wege und Pfade einstellen. Bis auf einen längeren Anstieg auf den Teisenkopf sind Auf- und Abstiege gut zu machen.


Einkehrmöglichkeiten findest Du in der Pizzeria Schenkenburg, 🌐 schenkenburg.com, sowie in Schenkenzell.


Diese Wanderung ist ab April bis Ende Oktober gut möglich.


Weitere Details erhältst Du direkt bei der
Touristinformation Schenkenzell
Reinerzaustr. 12
77773 Schenkenzell

📞 +49 7836/93 97 51

🌐 schenkenzell.de/tourismus/

Anforderungen & GPS-Daten

⏱️ Gehzeit: 4-5 h
📏 Distanz: 17 km
🏔️ Höhenmeter: 580
⚖️ Schwierigkeit: mittel
🧭 Typ: Rundwanderung

Wanderkarte mit Höhenprofil


Höhenprofil

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